Web 2.0 Lexikon

31. Oktober 2016: Einbruchprävention als PR-Aufgabe

ebp_6Ende Oktober. Die einen hinterfragen die Bedeutung von Halloween und denken über die psychologischen Folgen des Gruselfestes nach. Wieder andere diskutieren wie jedes Jahr über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung, der sich allenfalls als positiver Effekt ein 25-Stunden-Sonntag abgewinnen lässt. Ein drittes Thema ist in den Medien noch recht unterbesetzt.

Den Beginn der dunklen Jahreszeit und die „eine Stunde mehr“ nimmt die Initiative „K-EINBRUCH“ seit 2012 zum Anlass, um am 30. Oktober den „Tag des Einbruchschutzes“ zu begehen. „K-EINBRUCH“, ein Zusammenschluss aus Polizei und Kooperationspartnern der Wirtschaft, will die Bevölkerung für eine eigenverantwortliche Einbruchsvorsorge sensibilisieren und letztlich einen Rückgang der Einbruchkriminalität bewirken.

„Bei mir ist eh nichts zu holen“ oder „mir passiert das doch nicht“ sind noch immer Vorurteile, mit denen die Initiative aufräumen will. Und dabei kommt allzu häufig auch hier ein Horrorszenario zum Einsatz: furchteinflößende Bilder davon, wie die „Bude“ nach dem Einbruch aussieht, Fotos von maskierten, unberechenbaren Tätern oder mit sich in Sicherheit wiegenden Familien vor überdimensionierten dunklen Einbrechersilhouetten. Tatsächlich weist die Polizei auch auf die psychologischen Folgen eines Einbruches hin, die viel gravierender zu sein scheinen als der materielle Schaden: Immer mehr Menschen verlassen Haus oder Wohnung nach einem Einbruch für immer.

Zu diesem Thema gibt es also noch viel Aufklärungsbedarf. Neben der Polizei gehen die Hersteller von Sicherheitsprodukten und insbesondere von Baubeschlägen mit gutem Beispiel voran. Die letzte „Security“, Weltleitmesse für Sicherheit und Brandschutz, zeigte Ende September in Essen, dass viele Lösungen wirkungsvoll verhindern, dass selbst professionelle Langfinger überhaupt erst ins Haus gelangen.

Doch auch wenn die Produkte – sowohl für Neubau als auch für die Nachrüstung –  vorhanden sind: Solange Haus- und Bauherren, Immobilien- und Wohnungseigentümer nicht in die Einbruchprävention investieren, lässt sich die Kriminalstatistik nicht aufhübschen. Es ist ein langer Prozess bis die Erfolgsmeldungen, wie die des Pensionärs aus Gütersloh, der die Fenster seiner Erdgeschosswohnung mit so genannten Pilzkopfverriegelungen nachrüstete und damit einen Einbruch verhindern konnte, die Polizeiberichte über erfolgte Einbrüche übersteigen. Dabei kennt das Thema eigentlich keine Hochsaison. Meldungen von erfolgreichen Einbrüchen bieten ganzjährig Unterhaltung.

So besteht die größte Aufgabe darin, die kleinen und großen privaten Investoren stetig von der Notwendigkeit einer professionellen Einbruchprävention zu überzeugen, die Wirksamkeit der Produkte und die Bedeutung einer fachgerechten Montage zu vermitteln und auch über die finanziellen Fördermittel zu informieren.

PR kann das, und sie muss bei diesem Thema vor allem die Verbindung schaffen zwischen den innovativen Herstellerprodukten und dem durchaus interessierten Verbraucher. Die fachgerechte Montage rückt verstärkt in den Fokus und mit ihr die Tischler/Schreiner und Fensterbaubetriebe, die wiederrum beim qualifizierten Fachhandel einkaufen. So ergibt sich eine lange Kette, an deren Ende der Verbraucher noch profitieren soll. Erst kürzlich fand die Konsumentenstudie „Home Security 2016“ von bbw Marketing Dr. Vossen und Partner, Neuss, heraus, dass Hersteller bzw. Marken von mechanischer, mechatronischer und elektronischer Sicherheitstechnik – bis auf wenige Ausnahmen – weitgehend unbekannt sind.

Das Ziel ist erreicht, wenn am Ende die psychologischen Folgen eines Einbruchs so lebhaft diskutiert werden wie die Bedeutung und die Auswirkungen von Halloween sowie Sinn und Unsinn der Zeitumstellung, wenn die Bewusstwerdung dieses Umstands zu Investitionen in wirksamen Einbruchschutz führt, eine Einbruchstatistik kaum noch Nachrichtenwert bietet und alljährlich Ende Oktober statt Grauen ein hohes Sicherheitsgefühl in die eigenen vier Wänden einzieht.

AufgeGRIFFen

Das Jahr 2021 startete grifflos. Damit folgt bic.PR nicht etwa dem Trend nach cleaner, puristischer Möbeloptik. Vielmehr findet sich erstmals kein Kunde aus dem Zierbeschlagbereich mehr im Kundenportfolio. D-Beschlag führte bereits Mitte 2017 „wichtige betriebliche Gründe“ ins Feld. Die Schwinn Beschläge GmbH wurde zum 1. Februar 2021 in die KSB GmbH Klügel Schwinn Beschläge mit neuer personeller Konstellation überführt.

Auf dem stark preisgetriebenen Markt der Zierbeschlaghersteller gehören beide Unternehmen zu den letzten mit Produktionsstandorten in Deutschland. Messepräsenz zeigten sie zuletzt vielversprechend auf der ZOW 2020. Da hatte Oliver Hoffmann, Geschäftsführer der Schwinn Beschläge GmbH, bereits den Gang zum Amtsgericht Darmstadt angetreten und ein Plan-Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das war am 19. Dezember 2019. Während Schwinn unter Hoffmanns Federführung und mit Unterstützung von bic.PR die Situation des Unternehmens in der Insolvenzphase kontinuierlich und progressiv kommunizierte, ging die Meldung, dass auch D-Beschlag im März 2020 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt hatte, in der allgemeinen Corona-Problemlage fast unter.

Nun also ist die Schwinn Beschläge GmbH Vergangenheit, Oliver Hoffmann ausgestiegen und bic.PR grifflos unterwegs. Wie es weitergeht in Ober-Ramstadt, darüber informierte die neue KSB GmbH bereits: Der bisherige Personalchef Jens Klügel hat das Unternehmen samt Marken, Geschmacksmustern und Produkten gemeinsam mit dem – nicht mit der Gründerfamilie verwandten – Co-Investor Sven Schwinn im Rahmen eines Asset-Deals übernommen. Beide wollen die von der Marke Schwinn traditionell verkörperten Werte fortführen. Aus einem Bericht des EUWID Holz und Möbel vom 4. Februar 2021 geht zudem hervor, dass die am deutschen Standort angesiedelte Produktion von Kunststoffbeschlägen bereits stillgelegt wurde. Gefertigt werde nun vor allem bei Schwinn in Krakau, aber auch bei Partnerbetrieben in Asien.

Was wird aus „der Wiege des Zierbeschlags“?

So könnte nun tatsächlich in Luckenwalde – in „der Wiege des Zierbeschlags“, wie bic.PR damals den Bericht zum 25-jährigen Unternehmensjubiläum von D-Beschlag überschrieb – einer der letzten deutschen Produktionsstandorte eines Zierbeschlagherstellers erhalten bleiben. Erst 2017/18 hatte D-Beschlag dort zumindest in die Produktion von Aluminium-Griffleisten investiert. Zuvor scheint aber das personelle Fundament des Unternehmens, auf das Geschäftsführer Holger Schmidt gesetzt hatte, zu bröckeln: Im Wohn-Markt-Magazin inside war am 26. Februar 2021 zu lesen, dass Olaf Tödtmann, der erst im August 2020 als Geschäftsleiter Vertrieb und Marketing zu D-Beschlag kam, das Unternehmen zu Ende Februar bereits wieder verlassen habe. Auch sei ihm Vertriebsleiter Michael Bänsch gefolgt.

So darf man gespannt sein, was sich auf dem deutschen Markt für Möbelgriffe aus Alu, Stahl und Zinkdruckguss in nächster Zeit tut, wie stark andere europäische Hersteller und vor allem Händler mit ihren vorwiegend in Asien hergestellten Produkten hereindrängen. Zuweilen hilft ein Blick zurück, um sich die gravierenden Veränderungen vor Augen zu führen: 2003 tauchten mit Becker Beschläge, D-Beschlag, Fennel, Hettich Strothmann, Huwil, Schüco Design, Schwinn und Union Knopf noch acht namhafte Unternehmen mit deutschem Produktionsstandort im Interzum-Katalog auf. Im März 2021 besteht gerade noch die Hälfte.

Goodbye, LeMans, DISPENSA, TANDEM & Co.

bic.PR sagt Goodbye zu LeMans, DISPENSA, TANDEM & Co. Ende Mai 2023 endet die vertragliche Zusammenarbeit mit der Kesseböhmer Beschlagsysteme GmbH & Co. KG sowie dem Holzwerk Rockenhausen. Im Rahmen einer neuen Marketing- und Kommunikationsstrategie steuert das Unternehmen seine PR-Aktivitäten künftig inhouse.

Wir blicken dankbar auf die letzten sechs Jahre und die äußerst vertrauensvolle und bereichernde Zusammenarbeit zurück und danken allen Redaktionen für die stets professionelle Berichterstattung über die Beschlagsysteme aus Bad Essen und die Holzausstattungen aus Rockenhausen.

Schwinn, quo vadis?

Seit mehr als 90 Jahren behauptet sich die Marke Schwinn nun schon auf dem Markt für Möbelzierbeschläge. 1932 von Peter Schwinn in Ober-Ramstadt als Kunstharzdreherei mit zwei Mitarbeitern gegründet, entwickelt sie sich mit Möbelgriffen, -knöpfen, -füßen und Garderobenhaken zu einem kompetenten Entwicklungspartner für die Wohnmöbel-, aber auch die Küchen- und Badindustrie weltweit sowie für den Fachhandel. Von der Produkt- und Designentwicklung über den Werkzeugbau und die Produktion bis hin zur vielfältigen Oberflächenveredelung und Montage der Zierbeschläge bekommen Kunden alles aus einer Hand. Die 1994 gegründete und 2003 erheblich mit Produktionskapazitäten erweiterte Schwinn Polska in Krakau spielt stets eine wesentliche Rolle.

Viele Turbulenzen schütteln das Unternehmen kräftig durch. Erstmals kriselt es 2006 als Adam Schwinn wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen Kindern Adriane und Markus aus dem Unternehmen ausscheidet. Das Vertrauen der Banken schwindet und das Unternehmen muss Insolvenz anmelden. Zum 1. Januar 2007 erwirbt die Beteiligungsgesellschaft Finatem die wesentlichen Anteile der Schwinn GmbH. Die Familie Schwinn steigt komplett aus. Die deutschen Standorte sowie die ausländischen Töchter firmieren fortan unter Schwinn Beschläge GmbH. Im Dezember 2015 veräußert die Finatem die Schwinn-Gruppe an die DUBAG Beteiligungsgesellschaft. Doch schon 2019 kommt es zur Schließung des Standortes Weimar und zur erneuten Insolvenz. Der Sanierungsprozess zieht sich auch wegen der Coronapandemie bis Ende 2020 hin.

Mit hehren Zielen startet am 1. Februar 2021 schließlich die KSB GmbH Klügel Schwinn Beschläge. Der Personalchef der insolventen Vorgängergesellschaft Jens Klügel übernimmt das Unternehmen samt Marken, Geschmacksmustern und Produkten gemeinsam mit dem – nicht mit der Gründerfamilie verwandten – Co-Investor Sven Schwinn im Rahmen eines Asset-Deals. Da ist die am deutschen Standort Ober-Ramstadt angesiedelte Produktion von Kunststoffbeschlägen bereits stillgelegt. Gefertigt wird fortan zu 90 Prozent bei Schwinn in Krakau, zu zehn Prozent bei Partnerbetrieben in Asien. Die KSB GmbH selbst siedelt sich in Heppenheim an. Jens Klügel übernimmt die Geschäftsführung und Sven Schwinn als Prokurist die Leitung des Vertriebs. Beide wollen die von der Marke Schwinn traditionell verkörperten Werte fortführen.

Jetzt geriet das Unternehmen selbst in Zahlungsschwierigkeiten, so dass Klügel den Gang zum Amtsgericht antreten musste. Dem Antrag wurde am 13. Februar 2024 stattgegeben. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Mirko Lehnert von der Kanzlei Schiebe und Collegen, Julius-Reiber-Straße 15, 64293 Darmstadt, Tel.: 06151-396820, Fax: 06151-3968220, bestellt worden.

Trotz aller Turbulenzen besteht Schwinn von allen deutschen Marken für Möbel-Zierbeschläge und -Accessoires am längsten. Dieser Besonderheit waren sich auch Jens Klügel und Sven Schwinn bewusst, als sie vor zwei Jahren mit ihrer KSB GmbH die Marke übernahmen. So strebten sie bereits vor dem Nachfrageeinbruch im letzten Jahr einen Sanierungsprozess gemeinsam mit einer Wirtschaftsberatung an. Noch im Januar waren sie mit 18 Mitarbeitern von Heppenheim nach Darmstadt umgezogen. Von hier aus sollte das Motto „made in Europe – made by Schwinn“ neue Impulse erfahren.

bic.PR betreute das Unternehmen seit 2019 mit Unterbrechungen und hatte zuletzt den mit Arreda Systems und Wessel gemeinsam organisierten Auftritt auf der Sicam fachpressetechnisch begleitet. Anfang dieses Jahres wollte man in eine sich seit Oktober 2023 anbahnende kontinuierliche Zusammenarbeit starten.

Nun steht die Zukunft der Marke aber erneut auf der Kippe. Anfang Mai soll sich endgültig herausstellen, ob es weitergeht, wenn ja, wie, und welche Rolle die Schwinn Polska mit 130 Beschäftigten dabei spielt.